Di., 05. Mär. 2019

Paderborner Literaturtage

Paderborner Literaturtage Paderborner Literaturtage Bildrechte: Kulturamt

Vom 8. bis 17. März an zahlreichen Orten

Paderborn. Die Paderborner Literaturtage sind auch 2019 ein gemeinsamer Kraftakt vieler Institutionen: Bibliotheken, Buchhandlungen, Verlage, Vereine, Bildungseinrichtungen, Initiativen, Theater, Museen und Gastronomiebetriebe haben zusammen mit dem Kulturamt der Stadt ein umfangreiches Programm für die Zeit vom 8. bis 17. März aufgelegt. Das Gesamtprogramm mit näheren Informationen ist im Internet unter www.paderborn.de/literaturtage zu finden. Die Broschüre liegt bei den beteiligten Einrichtungen und vielen weiteren Stellen aus.

Beispielhaft ist die Zusammenarbeit zwischen Literaturbüro OWL, Theater Paderborn sowie Gleichstellungsstelle und Kulturamt der Stadt Paderborn. Gemeinsam präsentieren sie zum Auftakt der Literaturtage am Freitag, 8. März, im Theatertreff die beiden aktuellen NRW-Förderpreisträgerinnen für Literatur: Die 1988 in Höxter geborene Josefine Rieks seziert in „Serverland“ unsere Gegenwart aus der Sicht der Zukunft, in der es Jugendlichen gelingt, eine Verbindung zu stillgelegten Servern unserer Zeit herzustellen. Karosh Taha, 1987 im Irak geboren und seit 1997 im Ruhrgebiet lebend, erzählt in „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ kraftvoll und unbeschwert von der jungen Sanaa, die aus dem Irak nach Deutschland kam und nun zwischen allen Stühlen sitzt. Der Komponist und Jazzpianist Simon Rummel greift den Sound der Texte der beiden Schriftstellerinnen mit Improvisationen am Klavier auf.

Erstmals dabei ist das Stadt- und Kreisarchiv, das die Freuden und Geheimnisse des Lesens im Archiv einen ganzen Abend lang in Führungen, Entzifferungs-Workshops und Lesungen vorstellt.

Neu ist auch der Abend im Stadtmuseum: Hier dreht sich fast alles um Paderborn: Im Mittelpunkt steht die Vorstellung des Textes „Born“ der Berliner Autorin Lisa Danulat. 2018 war er als Auftragsarbeit entstanden und bei den Literaturtagen vorgestellt worden, jetzt kommt er ins Stadtmuseum. „Da gehört er hin,“ sagt Museumsmitarbeiter Markus Runte, „denn das ganze Museum dreht sich um Stadtidentität, und dazu leistet der Text einen tollen Beitrag.“ Außerdem an dem Abend: Pen&Paper-Rollenspiele mit der Rollenspielergilde Paderborn, Heiße Zeiten – Lesung der Autorengruppe ZeilenSprung, Tanztheater nach Shakespeare mit den Quantensprüngen aus dem TanzBau, Die Kinder meines Vaters – Lesung mit Cornelia Becker (Berlin/Borchen), Freidenkerinnen – Literarisch-musikalisches Schauspiel mit Ann-Britta Dohle, Birgit Noll und René Madrid. Erstmals dabei ist die Buchhandlung Nicolibri in Wewer. Ebenfalls neu ist, dass die Buchhandlung Linnemann mit dem Laden im Südring dabei ist.

Einige Besonderheiten und Highlights kennzeichnen das Programm:
Viele von Stanis Freunden lesen im Stadtmuseum seinen nachgelassenen Roman vor, und zwar komplett von der ersten bis zur letzten Seite. Die kultige Addams-Familie wird in einer Cartoon-Ausstellung im Sputnik und im Musical in der PaderHalle vorgestellt. Schon vor dem offiziellen Beginn liest der bekannte Gefängnisarzt und TV-Schauspieler Joe Bausch aus seinen Büchern über die Gefängniserfahrungen. Thea Dorn ist u.a. aus dem Fernsehen („Das literarische Quartett“) bekannt. In der Wewelsburg, wo die Nazis einen merkwürdigen Kult des Deutschtums beabsichtigten, liest und diskutiert sie mit der Ex-NRW-Ministerin und aktuellen Literaturbüro-OWL-Vorsitzenden Ute Schäfer und Landrat Manfred Müller über das Thema eines aufgeklärten Patriotismus in Deutschland. Veranstalter ist dort die Fahrbücherei, also der Bücherbus des Kreises. Dieser fährt im Laufe der Literaturtage auch den Flughafen Paderborn-Lippstadt an, wo die Spoken-Word-Künstlerin Theresa Hahl auftritt, die 2017 die Regionsschreiberin in OWL war.

Am meisten erfährt man über Bücher, wenn intensiv und kontrovers über sie gesprochen wird. Das garantiert der alljährliche Bücherstreit im Sputnik. In diesem Jahr hochkarätig besetzt mit der Intendantin des Theaters Paderborn Katharina Kreuzhage, der Leiterin des Literaturbüros OWL Iris Hennig, der Kommunikationschefin des Kulturbüros OWL Heike Haase, der XO-Talk-Leiterin Lea Hansjürgen und der Deutsche-Literatur-Dozentin an der Uni in Utrecht/Niederlande, Charis Goer. Eines der im letzten Jahr beim Bücherstreit besprochenen Bücher wird in diesem Jahr noch einmal in der Bonifatius-Buchhandlung von der Autorin selbst vorgestellt, nämlich Mechtild Borrmanns „Trümmerkind“. In der Kinderbibliothek gehen wieder die Paderdetektive auf Ermittlung. Die Kneipenleser kümmern sich in diesem Jahr um Kunst – im Kunstverein.

Bei den vielen Lesungen der Buchhandlungen, Bibliotheken und Bildungseinrichtungen geht es um spannende gesellschaftsrelevante Themen: Demenz (wer einen Demenzangehörigen hat, kann eine Kurzzeitbetreuung im Huas Antonius in Anspruch nehmen, um der von der Bonifatius-Buchhandlung veranstalteten Lesung folgen zu können), Übergewicht (in der Bibliothek liest hierzu Nicole Staudinger), weltumspannende Verwandtschaft („Die Reise der Gene“, präsentiert von der VHS, ist im Moment im Internet ein Klick-Hit) und das Bauhaus-Jubiläum. Die Buchhandlung Literafee in Schloß Neuhaus konzentriert sich auf Jugendliteratur. Die Thalia-Buchhandlung stellt in gleich mehreren Schauspielerlesungen aktuelle Bestseller vor, außerdem den regionalen Autor historischer Romane, Robert Focken.

Regional und lokal geht es auch bei dem Lesereigen „Mörderisches Paderborn“ im Pollux-Kino zu. Ganz anders regional sind die Rezepte zum Buffet der Landfrauen in der Bonifatius-Buchhandlung. Gleich zweimal ist der Audienzsaal Schauplatz von Klassiker-Veranstaltungen, einmal geht es um Alessandro Manzonis „I Promessi Sposi“ (Die Verlobten) auf Italienisch und Deutsch und einmal um Shakespeare-Stücke beim Kammerkonzert mit Lesung. Den Abschluss der Literaturtage bildet die multimediale Live-Performance „Adressat unbekannt“ nach dem Briefroman von Kathrine Kressmann Taylor im Deelenhaus.

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